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Henner zwischen Traum und Alptraum

Am 29. September 2009 wurde nochmals der Film „Henners Traum" vom Dokumentarfilmer Klaus Stern im Marburger Filmkunsttheater auf Initiative der Hotel- und Touristikfachschule der Käthe-Kollwitz-Schule gezeigt.

Der Regisseur war für die Studierenden der Fachschule angereist, um sich im Anschluss an die Filmvorführung den Fragen des jungen und fachlich interessierten Publikums zu stellen. Denn die hatten  - als zukünftige  Fachleute - ein gesteigertes Interesse, den Film über Europas größtes geplantes Tourismusprojekt nicht nur anzuschauen, sondern kritisch zu hinterfragen.

Der Film zeigt Henner Sattler, den Bürgermeister der nordhessischen Stadt Hofgeismar und Visionär des Millionenprojekts und seine gesamte Anhängerschaft, offen und vordergründig unzensiert. Zweieinhalb Jahre begleitete der Regisseur den Bürgermeister bei verschiedenen öffentlichen Auftritten wie Bürgerversammlungen und bei Gesprächen mit wichtigen Investoren. Aber auch ganz persönliche und private Eindrücke entstanden, so z.B. als der Bürgermeister gleich zu Beginn des Films durch das Bild joggt. Sattlers Vision vom Schloss-Beberbeck-Resort sieht Investitionen in Höhe von rund 440 Millionen Euro vor, welche allein von Investoren getragen werden müssen. Hierbei handelt es sich um ein 34 Hektar großes Gelände in Nordhessen, auf dem fünf Luxushotels, mehrere Golfplätze, eine künstliche Seenlandschaft, Trabrennbahn mit Poloplatz und hunderte kleine Villen entstehen sollen. Sattler verspricht die Schaffung von 2000 neuen Arbeitsplätzen durch das Projekt.

Man lernt Herrn Sattler als offenen, sympathischen und energiegeladenen Menschen kennen, der nur zu oft vergisst, dass nebenbei eine Kamera läuft und alles dokumentiert, was passiert. Deutlich wird dies bei einem Investorengespräch, bei dem über das vorhandene „Problem" gesprochen wird, womit das sich im Schloss befindende Altenheim gemeint ist. Laut Sattler lasse sich dieses Problem bei einer Flasche Wein schon klären, denn schließlich kenne „man" sich ja auf dem Land.

Auch wenn die Argumente aller Beteiligten sehr überzeugend sind und man sich als Zuschauer gerne emotional mitreißen lässt, so holt einen die Dokumentation schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Klaus Stern möchte den Zuschauer nicht mit den üblichen Mitteln der Filmsprache manipulieren. In erster Linie möchte er die wahre Geschichte hinter den Kulissen zeigen. Ganz gelingt ihm das aber nicht, er verzichtet zwar bewusst auf persönliche Kommentare, aber allein die  Auswahl der gezeigten Szenen, die Untertitel und die Hintergrundmusik bei einigen Filmszenen zeigen seine ironische Einstellung zu Sattlers Projekt.

Allerdings ist das verständlich, mittlerweile sind 3 Jahre vorbei, und was ist passiert? Nichts!  Kein Investor ist bis jetzt bereit die Millionen zu investieren. Und unter dem Aspekt eines nachhaltigen Tourismus ist das Projekt in seinen Auswirkungen auf  die Umwelt, die Kultur und die Infrastruktur allemal kritisch zu sehen.

Herr Sattler wird so lange weitermachen, bis Investoren gefunden sind. Es wäre ja auch schade, wenn vier Millionen Euro Steuergelder umsonst für die Planung geopfert worden wären.

von Marcel Földhazi, Studierender der Touristikfachklasse Unterstufe, Oktober 2009

Nachtrag:

Was des einen Misserfolg ist, wird zum Erfolg des anderen: Klaus Stern wurde inzwischen der Hessische Filmpreis 2009 in der Kategorie Dokumentarfilm für dieses Werk verliehen.

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