Vortrag Graf Sponeck
Mischen Sie sich ein! Nutzen Sie Ihre Chancen zur demokratischen Teilhabe!
Graf von Sponeck appelliert an die Jugend
Hochrangiger ehemaliger Diplomat zur Gast an der Käthe-Kollwitz-Schule
Hohen Besuch hatte die Käthe-Kollwitz-Schule am 10. November: Hans- Christof Graf von Sponeck,ehemaliger Mitarbeiter der Vereinten Nationen und Ehrendoktor der Phillips- Universität Marburg, sprach auf Einladung von Carolin Engels- Asaad sowie der Fachbereiche Deutsch und Politik zu ca. 130 SchülerInnen und Studierenden der Käthe- Kollwitz- Schule in Marburg.
Mirjam Wege begrüßte den Gast seitens der Schulleitung, Christa Schreier moderierte die Veranstaltung und steckte mit kritischen Fragen zur UN den inhaltlichen Rahmen ab.
Ob die UNO den an sie gestellten Erwartungen zur Friedenserhaltung-und sicherung gerecht werden könne und ob die UNO überhaupt eine Chance habe, bei den sich widerstrebenden nationalen Egoismen eine dem Allgemeinwohl und Weltfrieden verpflichtete Politik durchzusetzen, so der Tenor der Fragen.
Thema war „Die Rolle der UN im Konfliktmanagement", aber wer sich auf einen trockenen Vortrag zu den komplexen Strukturen der Vereinten Nationen eingestellt hatte, sah sich in seinen Erwartungen enttäuscht.
„
Die Vereinten Nationen sind der einzige Ort dieser Welt, an dem es keine
Ausländer gibt", sagte Sponeck zu Beginn seines Vortrages, um so auf den
universalen Charakter und Anspruch der Weltorganisation zu verweisen.
Humorvoll und unterhaltsam informierte Sponeck - nach einem kurzen Exkurs zur eigenen, sehr bewegten Biografie- über die Geschichte der Vereinten Nationen, die als Reaktion auf den 2. Weltkrieg ins Leben gerufen worden seien. Die fünf Siegermächte des 2. Weltkrieges- USA, Sowjetunion, Frankreich , Großbritannien und China- wurden zu ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates, abwechselnd werden jeweils zehn weitere Mitgliedsstaaten für zwei Jahre in dieses höchste Gremium der UN gewählt. Diese nun seit 1945 andauernde Konstellation bedürfe der Neuorganisation, da der Sicherheitsrat, auch durch das seinen ständigen Mitgliedern zustehende Vetorecht- sich in den letzten Jahren zunehmend herausgenommen habe, im Namen aller zu sprechen. Hier bedürfe es einer Umstrukturierung, z. B. einer Erweiterung des Sicherheitsrates, um den politischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden, die Zeit der unipolaren Welt sei zu Ende, die Erde sei multipolar geworden und das Ende der US-amerikanischen Omnipotenz gekommen.
Sponeck problematisierte, dass es keine Folgen habe, wenn Internationales Recht durch die mächtigen Staaten gebrochen würde und forderte eine Rechenschaftspflicht für die Mitgliedsländer der UN. Er zitierte einen mexikanischen Diplomaten:"Die Mäuse werden kontrolliert, die Tiger laufen frei herum" und problematisierte damit besonders die Rolle der USA, die ihre Interessen oft ohne Rücksicht auf rechtliche Standards und Bedürfnisse anderer Völker durchsetzten. Als Beispiel nannte er den Krieg gegen den Irak, zu dessen Vorbereitung die USA und Gr0ßbritannien bewusst Falschinformationen über angebliche Waffenvernichtungswaffen Saddam Husseins verbreitet hätten, um so die Weltöffentlichkeit auf einen Krieg einzustimmen und den Sicherheitsrat zur Zustimmung zu bewegen. Als der Sicherheitsrat aber dennoch gegen den Kriegseinsatz stimmte, hätten Großbritannien und die USA die UN einfach übergangen. Dieses Verhalten habe die UN in eine große Krise gestürzt, von der sie sich heute noch nicht erholt habe.
Sponeck verglich die aktuellen Ereignisse um dem Iran mit der Situation im Irak 2003: das Szenario sei das Gleiche, die Kriegstrommeln würden gerührt,Vermutungen zu Beweisen hochstilisiert, um einen Militärschlag zu ermöglichen. Dennoch glaube er nicht an einen Waffengang gegen den Iran, da alle Beteiligten wüssten, dass ein Krieg im Nahen Osten einem Selbstmord gleich käme.
Bei aller Kritik an seinem langjährigen Dienstherrn - Sponeck arbeitete mehr als 30 Jahre für die UN- betonte der Referent die Bedeutung und auch die Erfolge der UNO, besonders auf dem operativen Feld, d. h. im humanitären, sozialen und kulturellen Gebiet. Auch bei internationalen Konflikten haben die Vereinten Nationen Erfolge gehabt, sagte Sponeck und erinnerte an erfolgreiche Arbeit im Kaschmirkonflikt und auf Zypern. Seit 66 Jahren bewirke die UNO viel Gutes, so Graf von Sponeck und erinnerte an den 1974 geschlossenen Pakt für Menschenrechte.
Leider hätten die 55000 UN-Beamten wenig Kapazität zur Durchsetzung ihrer Ziele, da ökonomische Interessen einzelner mächtiger Staaten dieses verhindern könnten. Dort, wo die politischen Interessen der großen Nationen nicht unmittelbar tangiert würden,könne die UN sehr positiv wirken, sagte Sponeck unter Verweis auf die Milleniumsziele.
Bei den großen Weltkonflikten habe die Organisation zu wenig getan oder zu wenig tun können: Der Konflikt zwischen Israel-Palästina sowie der Korea- Krieg wurden hier benannt.
Die UNO müsse dennoch weiterhin das Lösungsinstrument für die großen Konflikte dieser Welt bleiben und so modernisiert werden, dass sie ihrem Auftrag der Friedenssicherung gerecht werden könne. Es gäbe keine Alternative zu einer Weltorganisation, in der alle beteiligten Nationen miteinander um Frieden und Sicherheit ringen müssten.
„Einen
Beitrag zum Weltfrieden kann jeder leisten", so Sponeck auf die Frage eines
Schülers, „mischen Sie sich ein, schreiben Sie Briefe an Ihre Abgeordneten und
informieren Sie sich gut- die Möglichkeiten dazu haben Sie alle!" Warum der
Sicherheitsrat die Aufnahme Palästinas in die vereinten Nationen abgelehnt
habe, wollte ein Studierender wissen- Sponeck zeigte sich zuversichtlich, dass
die Aufnahme in absehbarer Zeit erfolgen werde..
Sponeck rief die - meist jugendlichen- Aktivisten des arabischen Frühlings in Erinnerung, welche es überwiegend gewaltfrei geschafft hätten, diktatorische Regimes zu vertreiben.
Nach seinem von Nachfragen unterbrochenen Vortrag stellte sich Sponeck den zahlreichen kritischen Fragen der Schülerinnen und Schüler und bewies hier seine Fähigkeit, fundierte Informationen über komplexe Zusammenhänge humorvoll und gut verständlich zu vermitteln - es gab großen Applaus seitens des Auditoriums.
Zuletzt bedankte sich Christa Schreier im Namen der Käthe-Kollwitz-Schule für diese gelungenen Stunden der politischen Bildung und sprach die Hoffnung aus,auch im nächsten Jahr Graf von Sponeck in der Käthe-Kollwitz-Schule begrüßen zu können.
Christa Schreier